Forschung

 

Forschung im Fachbereich Design

Die Forschung des FB-Design fokussiert zwei grundsätzliche Ziele: Freiheit der Forschung und gemeinsame Forschung. Dass sie keine Widersprüche sein müssen, zeigt die Clusterbildung im Fachbereich. Denn die ProfessorInnen verfolgen sowohl ihre eigenen Forschungsinteressen, wie sie auch in Themenschwerpunkten der designspezifischen Forschung zusammenfinden und dadurch unterschiedlich eng gestrickte Cluster bilden. Vier Schwerpunkte bilden sich derzeit heraus, die auf großes Interesse innerhalb und zunehmend auch außerhalb des Fachbereichs stoßen. Ein groß angelegtes Langzeitprojekt sind die „Visuellen Kulturen“. Sie bilden das Dachthema des FB-Design, heben auf die visuellen Bedeutungsebenen zwischen Ästhetik, Gestaltung und gesellschaftlicher Bedeutung ab, erlauben den KollegInnen individuelle Beiträge, die in einer FB-eigenen Publikationreihe erscheinen. Der Forschungsschwerpunkt „Kleidung und Gesellschaft“ macht es sich zur Aufgabe, zwischen den Koordinaten von Kleidung, Mode, Markt und Käufer die Modetheorie neu zu denken, indem das Bild und die Funktion der Kleidung stärker in den Vordergrund rücken. Ganz grundsätzlich um die Frage, was Design heute eigentlich noch ist, geht es in dem Schwerpunkt „Die Dimensionen des Design“; denn die Inflation des Designbegriffs sorgt mittlerweile für Orientierungsschwierigkeiten. Und schließlich versucht der Cluster „Räume und Virtuelle Realitäten“ die rasante Entwicklung der 3D-Animation zu hinterfragen und mit kreativen Ansätzen der Gestaltung weiterzuentwickeln.

Die Einheit von Geschichte, Gegenwart und Zukunft steht in der Forschung grundsätzlich im Zentrum. Die historische Einbindung von Fragestellungen ermöglicht das Verständnis der Gegenwart und die Gestaltung der Zukunft. Über aktuelle Forschungsfragen beraten auch die programmverantwortlichen Studiendekane des Fachbereichs, die sich zu regelmäßigen Treffen zusammenfinden, um über Forschungsdesiderate zu beraten. In diesen Thinktanks entstehen Konzepte für weiterführende Forschungen und Tagungen.

 


 

Forschungsschwerpunkt I: Visuelle Kulturen

Am FB-Design ist mit dem Titel der Visuellen Kulturen ein weites Themen- und Methodenspektrum angesprochen. Durch die Einbeziehung der „Kulturen“ soll gekennzeichnet werden, dass es sehr unterschiedlich ausgerichtete visuelle Phänomene gibt, die kulturell abhängig und damit auch und vor allem geschichtlich sind. Es ist gerade diese Entwicklungsgeschichte, welche die historische und eben kulturelle Verwurzelung visueller Gestaltung bezeichnet. Ihre gegenwärtige Brisanz ist größtmöglich; durch zuvor nie dagewesene mediale Verbreitungsmöglichkeiten erhalten kulturelle Konflikte oder historische Ereignisse neue Qualitäten, wenn etwa vom „Krieg der Bilder“ oder einem neuen Bildersturm die Rede ist. Der FB-Design ist naturgemäß durch seine gestalterischen Fächer selbst Teil dieser visuellen Kulturen, die er vor dem Hintergrund postkolonialer Theorie deshalb kritisch hinterfragen muss. Visuelle Kulturen, wie sie der FB-Design versteht, meinen nicht nur das zweidimensionale, gegenständliche Bild/ Foto, sondern darüber hinaus auch die räumliche Auffassung durch Skulptur, Architektur und Urbanistik. Und im Gegensatz zu den anglo-amerikanischen visual cultures will der FB-Design über die Konzentration auf zeitgenössische Konflikte zwischen Hoch- und Subkultur hinaus gerade auch den historischen Ansatz stärken. Der Schlüssel zum Verständnis der Visuellen Kulturen ist deren historische Rückbindung, ihre anthropologische, sozial- und gestaltungsgeschichtliche Verwurzelung. Forschungen aus Praxis und Theorie werden in der Reihe „Visuelle Kulturen“ des FB-Design publiziert.

 


 

Forschungsschwerpunkt II: Forschungszentrum Mode & Kleidung & Gesellschaft

Key Words: Modedesign, Modetheorie, Textilwissenschaften, Kleidung, Technik, Kunst, Medien, Zeichentheorie, Gesellschaftsrelevanz, Modemanagement, Marketing

Beteiligte Forscher: Prof. Dr. Steffen Grossmann, Prof. Dr. Elisabeth Hackspiel-Mikosch, Prof. Dr. Petra Leutner, Prof. Dr. Alexandra Luig, Prof. Dr. Ingo Rollwagen, Prof. Dr. Michael Schlese, Prof. Dr. Elke-Katharina Wittich, Prof. Dr. Philipp Zitzlsperger

Gegenstand des Clusters ist die Erforschung der Beziehung von Kleidung und Gesellschaft. Aufgabe ist es, Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Aspekten der Kleidung aus einer „transdisziplinären“ Perspektive zu untersuchen (Kleidung als Artefakt, Technik, Ware, Medium und System). Aus der theoretischen und empirischen Grundlagenforschung sollen Anregungen für weiterführende Forschung und Lehre sowie für verwertbare Produkte gegeben werden. Gegenwärtiger Forschungsschwerpunkt des Clusters ist die semantische Wechselwirkung von Kleidung und Bild. Sowohl Mode als auch Kleidung werden als visuelle Codes untersucht, die auf einer zweiten Ebene im Bild eine ungeheure mediale Verbreitung erfahren. Die kaum zu überschätzende ontologische Relevanz von Kleidern, ihren Moden und ihren Bildern prägt vergangene und aktuelle Kulturpraktiken. Sie sind eine dezidiert nicht-sprachliche und bisweilen auch vor-sprachliche Form der Kommunikation. Deren Bilder sind bislang nur ansatzweise untersucht. Insbesondere die Funktion der Kleidung und ihre Bildlichkeit in Kunst und Kommerz liefert Stoff für eine erweiterte Modetheorie, die davon ausgeht, dass Kleidung Gesellschaft konstituiert. Dieser Zusammenhang kann nicht stark genug betont werden, denn in der Regel wird die Kultur der Kleidung reflexiv gedeutet, d.h. die Kultur und Wirtschaft der Kleidung reagiert auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen. Die Kultur der Kleidung und ihrer Gesellschaften ist jedoch beides – reaktiv und proaktiv. Und auf beide Ausrichtungen versuchen die Forschungen des FB-Design abzuheben. ProfessoInnen des FB aus Theorie und Praxis haben in den letzten zehn Jahren bereits wegweisende Untersuchungen und interdisziplinäre Analysen durchgeführt. Sie sollen fortgesetzt und in einem Forschungszentrum mit internationaler Ausrichtung gebündelt werden.

 


 

Forschungsschwerpunkt III: Dimensionen des Designs

Key Words: Design, Designtheorie, Kunst- und Designgeschichte, Visuelle Kommunikation, Begriffsgeschichte, Ideengeschichte, Industrielle Produktion, Artefakte, Kunst, Gestaltung

Beteiligte Forscher: Prof. Dr. Ekkehart Baumgartner, Prof. Stephan Exsternbrink, Prof. Dr. Petra Leutner, Prof. Dr. Ingo Rollwagen, Prof. Dr. Michael Schlese, Prof. Dr. Elke-Katharina Wittich, Prof. Eberhard Wolf, Prof. Dr. Philipp Zitzlsperger

Der Begriff „Design“ ist so vieldeutig, dass seine Definition heute unmöglich scheint. Seine Entgrenzung führt zu Orientierungsverlust. Die Forschungen des FB-Design versuchen, die Begrifflichkeit vor dem Hintergrund des inflationären Designbegriffs auf den Prüfstand zu stellen und neu zu justieren. Gerade auch dieser Themenbereich fließt unmittelbar in die Lehre ein, wenn etwa in den Theoriefächern der Designbegriff als zentrale Problemstellung ihres Fachs von den Studierenden zu hinterfragen ist, oder wenn der Konzeptbegriff als wichtiger Teilbereich des Designs auf zwei Tagungen diskutiert und dann in der Lehre problematisiert wird. Der FB-Design setzt auf einen deutlich historischen Ansatz, der die Begriffs- und Ideengeschichte in den Abgleich mit der Gegenwart bringt. Der Blick in die Vormoderne ist dazu angetan, die Perspektive auf die Gegenwart und Zukunft des Designs zu ändern.

Eine bislang logozentrische Designwissenschaft geht davon aus, dass der Begriff dem Phänomen voraus geht, dass also der Design-Begriff die Ära des Designs und seiner Artefakte erst ermöglicht. Aus dieser Perspektive beginnt das Design um die Mitte des 19. Jahrhunderts und steht in engem kausalem Zusammenhang mit der Industrialisierung. Dagegen liefert ein Perspektivwechsel von der logozentrischen zur ikonozentrischen Deutung die Möglichkeit, Epochenschwellen neu zu justieren. Design muss folglich nicht erst mit seiner begrifflichen Einführung beginnen. Es muss auch die Möglichkeit diskutiert werden, dass der Design-Begriff um 1850 eine längst fortgeschrittene Entwicklung bezeichnete, für die es noch keine Bezeichnung gab. Und es muss zudem diskutiert werden, ob die weitere Entwicklung des Design-Begriffs im 20. Jahrhundert und die damit einhergehende Zementierung der Design-Kunst-Dichotomie wirklich angemessen oder eventuell verfehlt ist. Über all diesen Fragen steht jedoch der historische Zugang, der den Rückblick auch bis ins Mittelalter oder die Antike zulässt, um an der Differenz der Gestaltungsepochen die Bedeutungsdifferenz von Design und Kunst evtl. besser zu verstehen oder zu relativieren.

 


 

Forschungsschwerpunkt IV: Räume und Virtuelle Realitäten

Key Words: Raumkonzept, Innenarchitektur, Raumtheorie, Virtuelle Realität, 3D-Animation, Technik, Visuelle Kommunikation, Ideengeschichte

Beteiligte Forscher: Prof. Vera Doerk, Prof. Stephan Exsternbrink, Prof. Dr. Petra Leutner, Prof. Dr. Michael Schlese, Prof. Dr. Elke-Katharina Wittich, Prof. Dr. Philipp Zitzlsperger

Die Bereiche 3D und Virtuelle Realitäten (VR) prägen die Gestaltung der Gegenwart zunehmend. Der FB-Design legt daher einen Schwerpunkt seiner Forschungen auf die virtuelle Darstellung von Entwicklungsprozessen des Designs im Raum und die Generierung von virtuellen Realitäten etwa mittels der VR-Brille. In der Designbranche sind beide Bereiche bereits verbreitet. In Theorie und Praxis eröffnen sich dadurch neue Forschungsperspektiven, die die Rolle des Gestalters und des Betrachters vor neue Herausforderungen stellen. Wahrnehmungsprozesse und deren Prägung durch neue Techniken sind wichtige Parameter der Mediengeschichte, die das Handwerk fundamental verändern. Entwicklungsprozesse so wie Form und Funktion der visuellen Kommunikation sind als Simulationskunst grundlegend neu zu denken.

Die 3D-Animation am Computerbildschirm prägt in einigen Produktionsbereichen, etwa der Automobilbranche, bereits den Alltag des Designers. Modedesigner der Bekleidungsbranche befassen sich ebenfalls zunehmend mit der Konzeption und Entwicklung ihrer Produkte und Artefakte am Computer. Arbeitsschritte beschleunigen sich ebenso, wie die virtuelle Sichtbarkeit des Entwicklungsablaufs neue Dimensionen gestalterischer Möglichkeiten eröffnet.

Die Möglichkeit, durch VR-Brillen und Kopfhörer audiovisuell neue Räume und Welten zu erleben, stellt die Betrachter vor ein erweitertes Wahrnehmungsphänomen, das sich von der konsumorientierten zur erlebten Haltung verlagert. Die Generierung von Virtuellen Realitäten stellt Gestalter und Filmemacher vor bisher unbekannte Herausforderungen, denn Ziel ist stets, dass der Betrachter durch seine Kopfbewegung aktiv im Wahrnehmungsprozess involviert ist und nach Objekten oder Bewegungen suchen kann. Gegenwärtig stehen wir am Anfang der Entwicklung, mit deren weiterem Verlauf VR-Erlebnisse in naher Zukunft auf das berufliche und private Leben deutlichen Einfluss nehmen werden.

 

Zitzl

Prof. Dr. habil Philipp Zitzlsperger

Professur für Bildwissenschaft und Forschungsdekan

T: +49 (0)30 – 58 58 308-10

E-Mail: Philipp.Zitzlsperger@amdnet.de

 

 

 

Hochschule Fresenius
Die AMD Akademie Mode & Design ist der Fachbereich Design der Hochschule Fresenius. Die Hochschule Fresenius mit ihrem Stammhaus in Idstein bei Wiesbaden blickt auf eine über 168-jährige wissenschaftliche Tradition im Bildungsbereich zurück.