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AMD Absolventin gewinnt Design Preis: Jennifer Heinen im Interview
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    AMD Absolventin gewinnt Design Preis: Jennifer Heinen im Interview

    Die Abschlusskollektion von Mode Design B.A. Absolventin Jennifer Heinen dreht sich um das komplexe und oft verschwiegene Thema Depression. Für ihren Mut wurde die 25-Jährige Wahlberlinerin belohnt: Sie gewann den DNA Paris Design Award für Nachwuchsdesigner. Im Interview hat sie uns von ihren Inspirationsquellen, ihrem Studium und ihrem Lebenstraum erzählt.

    Herzlichen Glückwunsch! Du hast den DNA Paris Design Award für Nachwuchsdesigner gewonnen. Wie hat sich das angefühlt?

    Der Gewinn kam sehr unerwartet. Ich fühle mich sehr geehrt und freue mich, diese Chance zu nutzen und etwas daraus zu machen! Ich bin erfüllt von Freude und Dankbarkeit.

    Video: Dominic Packulat
    Fotos: Christina Hasenauer
    Models: Emily Liptow, Essi Tesfom, Veronika Baumeister
    Haare & Make-up: Fabian Sturm, Rocco Kowalski

    Welche Bedeutung hat dieser Preis für dich?

    Dieser Preis bedeutet einen Schritt in die richtige Richtung meiner Karriere, aber auch einen Schritt in die richtige Richtung der Gesellschaft. Außerdem hat mir der Gewinn gezeigt, wie wichtig es ist, Chancen zu nutzen, so klein sie auch sein mögen, und auf die inspirierenden und motivierenden Personen im Leben zu hören. Für mich ist der Gewinn nicht mein Gewinn, es ist der Gewinn meines Teams, denn die Kollektion war eine leidenschaftliche Teamarbeit.

    Kannst du uns mehr zu deiner Gewinnerkollektion erzählen?

    Meine Gewinnerkollektion ist meine Bachelorkollektion und behandelt ein schwerwiegendes und signifikantes Thema in unserer heutigen Gesellschaft: Depressionen. In der heutigen Zeit ist die Work-Life-Balance eine der wichtigsten Prioritäten, um ein glückliches Leben zu führen. Die Kollektion zeigt mit jedem Look die einzelnen Phasen der Depression und den emotionalen Einfluss auf die körperliche Belastbarkeit.

    Das Zusammenspiel der verschiedenen Strukturen und Materialien stellt den Kontrast zwischen der fröhlichen äußeren Verkleidung und der schwerfälligen inneren Melancholie der Depression dar. In Kombination mit dem entwickelten Print repräsentiert jeder Look eine andere Stimmung.

    Mit dieser Kollektion werden die Grenzen von Modedesign getestet und hinterfragt, wie weit eine Zusammenarbeit von Mode und der Gesellschaft funktionieren kann. Wir Modedesigner haben die Verantwortung, der Gesellschaft die Augen zu öffnen und eine kritische Konversation einzuleiten. Diese Verantwortung will ich mit meiner Kollektion übernehmen.

    Woher holst du dir deine Inspiration? Für deine Gewinnerkollektion und auch generell.

    Während meinem Studium habe ich festgestellt, dass man sich von allen Perspektiven inspirieren lassen kann. Ich empfinde mich selbst als einen emotionalen aber auch sehr analytischen Menschen. Im dritten Semester wurde mir diese Stärke in meiner Inspirationsfindung bewusst.

    Ich nutze gerne Kontraste in der Konzeptentwicklung, genauso wie die rechte und linke Hirnhälfte ein Kontrast darstellt. Ich empfinde andere analytische Fachbereiche wie Wissenschaft, Medizin, Psychologie und Ähnliches haben viel kreatives Potential und eine große Sprachgewalt. Warum diese Bereiche nicht mit Design verbinden? Dies ist eine Herausforderung, ganz klar, da Bildmaterial anders analysiert werden muss. Man kann auch Worte verwenden, um Inspirationen zu finden, man muss nur ausserhalb der Box denken. Dies macht die Suche von Inspiration sehr spannend.

    In meinem persönlichen Umfeld habe ich viel Depression beobachten müssen und festgestellt, dass darüber nicht genügend kommuniziert, die Kommunikation sogar abgelehnt wird. Daher fiel die Entscheidung leicht, mich in meiner Bachelorarbeit mit der Psychologie des Menschen mehr auseinanderzusetzen und die Brücke zur Mode zu schlagen.

    Was waren die Highlights deiner bisherigen Karriere?

    Mein absolutes Highlight war mein Praktikum in New York. Ich komme aus einer kleinen Stadt in Hessen, und Berlin war damals für mich schon ein großer Sprung ins kalte Wasser. In New York ist das Tempo noch höher, die Menschen und die Stadt selbst aber auch wahnsinnig inspirierend. Ich wurde in New York an meine Leistungsgrenzen gebracht und ich konnte mich neu kennenlernen. Die Mode ist ein schwieriges Business und New York war definitiv ein Highlight in dieser Hinsicht. Mein Traum ist es auch langfristig zurückzugehen.

    Wie kam es dazu, dass ein Stylist deine Mode für ein Shooting für L’Officiel Baltics verwendet hat?

    Tatsächlich über Instagram. Ich bin wirklich schlecht mit Social Media, finde das Thema auch sehr kritisch aber in diesem Falle hat es mir geholfen. Der Stylist hat die Abschluss-Modenschau der AMD in Berlin gesehen und daraufhin auf Instagram Kontakt mit mir aufgenommen.

    Hier kommst du zu Jennifers Instagram Profil!

    Welche Projekte an der AMD haben dazu beigetragen, dass du dich kreativ am meisten ausleben konntest?

    Eigentlich alle Modedesign Projekte in den Semestern. Unsere Dozenten haben uns viel Freiraum geboten und uns frei geleitet. Im dritten Semester wurde ich aus meiner Komfortzone herausgestoßen und ich musste mich neu erfinden. Auch wenn ich dieses Projekt von der Design Ästhetik heute fragwürdig finde, hat dies mir den Freiheitsstoß gegeben, mich ganz und gar kreativ auszutoben.

    Inwiefern hat das Studium dazu beigetragen, dass du jetzt da bist, wo du heute bist?

    Wie ich schon erwähnt hatte, komme ich aus einer kleinen Stadt in Hessen. Ich wollte schon immer kreativ arbeiten, war aber in den Möglichkeiten eingegrenzt. Schule mochte ich auch nicht besonders. Daher habe ich mit einer Ausbildung zur Maßschneiderin angefangen, diesen Karriereweg zu gehen. Das Studium hat sich während der Ausbildung von einem Traum zu einem Ziel entwickelt, dem ich gefolgt bin. Das Studium hat mich frei gemacht von sozialen Zwängen und mich in meiner Identitätsfindung gefördert. Plötzlich wurde es interessant mehr zu lesen und sich mit kritischen Themen vermehrt auseinanderzusetzen. Dafür bin ich sehr dankbar.

    Was sind deine Pläne für die Zukunft?

    Ich bin seit März auf Jobsuche im Bereich Design oder Schnittkonstruktion, hatte bereits einige Interviews in New York, jedoch leider erfolglos. Ich will auf jeden Fall noch Berufserfahrung sammeln und mich weiterbilden. Ich sehe jedoch die Modeindustrie sehr kritisch und habe festgestellt, das ich das Design zwar liebe, jedoch viel im Bereich der Nachhaltigkeit getan werden muss, damit ich mich in dieser Industrie als Arbeitnehmer zuhause fühle. Ich sehe mich selbst nicht als die Pionierin in Nachhaltigkeit, das machen andere bereits besser. Jedoch liegt mir das Thema Bodypositivity sehr am Herzen und ist mein Lebensprojekt geworden.

    Derzeit arbeite als persönliche Stylistin und helfe Menschen, sich zu finden und sich im Spiegel positiv zu betrachten. Für die Zukunft steht meine Weiterbildung zum Personal- und Businesscoach auf der Liste. Ich werde die Mode dazu nutzen, in der Zukunft Menschen auf andere Art und Weise glücklich zu machen, als nur durch den Kaufrausch. Mein Podcast choose to BE hilft mir dabei, einen Einstieg zu schaffen, um einen neuen Businesszweig zu entwickeln, welcher sich zwischen Mode und Persönlichkeitsentwicklung befindet.

    Jennifers Kollektion auf dem Runway

    Welche Tipps hast du für angehende Mode-Design-Studierende oder junge Nachwuchsdesigner?

    Entwickelt ein dickes Fell und hört auf euer Bauchgefühl. Lasst euch von niemandem unterkriegen. Egal wie viele Menschen euch sagen, dass ihr versagen werdet oder das ihr das Zeug dafür nicht habt, glaubt an euch und eure innere Stimme. Wenn ihr die Leidenschaft für Mode habt und euer Herz für die Sache brennt, lasst das Feuer nicht erlöschen, sondern schürt es! Es lohnt sich für sich selbst einzustehen und sich zu einem unabhängigen und idealistischen Individuum weiterzuentwickeln. Verliert nie den Mut und haltet durch, es zahlt sich aus!

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