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Buy Good Stuff – Chefredakteurin Ornella Sonderegger über den Entstehungsprozess des Magazins
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    Buy Good Stuff – Chefredakteurin Ornella Sonderegger über den Entstehungsprozess des Magazins

    Nachhaltige Mode ist mehr als Öko-Filz. Das war nur eine Erkenntnis, die Ornella Sonderegger während der Entwicklung von Buy Good Stuff gewonnen hat. Was sie als Chefredakteurin des Fair Fashion Guides sonst noch gelernt hat, und wie sich die Themen von Plastik zu Politik gewandelt haben, hat sie uns im Interview erzählt.

    Hast du dich vor „Buy Good Stuff“ mit dem Thema Nachhaltigkeit und vor allem mit nachhaltiger Mode auseinandergesetzt? 

    Um ehrlich zu sein, nicht wirklich. Mit dem Thema Plastik habe ich mich schon auseinandergesetzt, beim Modekonsum war das anders. Ich habe Fair Fashion immer diesen Öko-Stempel aufgedrückt und war schlussendlich überrascht, wie vielfältig nachhaltige Mode sein kann.

    Wie hat sich dein Konsumverhalten seitdem geändert?

    Vor BGS hat der Postbote bei mir gefühlt zweimal in der Woche geklingelt: große Plastiktüten von Zara, Asos, H&M… Mittlerweile habe ich meinen Online-Modekonsum drastisch reduziert. Ich versuche, lokal einkaufen zu gehen und mache mir Listen, um wirklich nur das zu kaufen, was ich brauche, anstatt einfach ohne Plan drauflos zu shoppen.

    Wie lief die Themenfindung für eure Magazininhalte ab?

    Wir mussten uns zuerst einmal mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen. Jeder spricht davon, jedoch ist der Begriff viel komplexer als er scheint. Nachdem wir ein Grundverständnis davon hatten, weil wir viel über Politik und Gesellschaft diskutiert haben, sollte jeder von uns erzählen, was ihn persönlich bewegt. Danach sprudelten die Ideen.

    Beim Launch des Magazins gab es einen Panel-Talk mit Experten zum Thema Nachhaltigkeit.

    Welches Ziel hattet ihr vor Augen, als ihr euer Heft konzipiert habt?

    Wir wollten nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Spaß und positiver Leidenschaft demonstrieren, dass nachhaltiger Modekonsum alle etwas angeht. Fair Fashion bedeutet nicht nur grüner Filz, sondern bietet gerade in München eine breite Palette an verschiedensten Stilrichtungen an – da ist für jeden etwas dabei. Unser Magazin dient dem Leser als Guide durch Münchens Einkaufsstraßen und nimmt auch diejenigen an die Hand, die noch kein Vorwissen zum Thema Nachhaltigkeit haben.

    Hast du Artikel, die dir besonders am Herzen liegen?

    Besonders mitgenommen hat mich ein Artikel über die Mode Design Studentin Thi Nyguen, die für ein Praktikum sechs Monate in einer Textilfabrik in Vietnam arbeitete und hautnah erlebte, wie es hinter den Kulissen abläuft. Mein Lieblingstext ist aber eine Kolumne, in der wir uns die Frage stellen, wie wir Modejournalistinnen zum Konsumverhalten stehen, weil wir mit BGS zwar für Nachhaltigkeit plädieren, aber gleichzeitig auch irgendwie zum Konsum anregen.

    Gab es einen besonderen Trend bei den Themen, der sich herauskristallisiert hat?

    Tatsächlich hatten unsere ersten Vorschläge fast alle etwas mit Plastik zu tun. Als wir dann unser Brainstorming-Tief überwunden hatten, waren wir alle überrascht, wie viel wir zum Thema Nachhaltigkeit zu sagen haben und wie wenig davon tagtäglich in den Medien kommuniziert wird. Das Thema sollte uns in den verschiedensten Lebensbereichen begleiten – von Kunst über Sport bis hin zu Alltagssituation wie dem Supermarkteinkauf oder Wäschewaschen. Wir haben versucht, mit BGS ein Gesamtpaket zu erstellen, das sich eben nicht nur auf Plastikreduktion beschränkt.

    Hat euch etwas besonders überrascht in Bezug auf nachhaltige Mode?

    Dass es alleine in München so viele verschiedene Adressen dafür gibt! Wir portraitieren in BGS 46 Stores und 23 Labels, und als wir schon im Druck waren, sind wir auf noch mehr gestoßen. Das Bewusstsein für verantwortungsbewussteren Konsum wächst von Tag zu Tag und deshalb auch die Nachfrage.

    Worin siehst Du die größten Probleme in der Modeindustrie?

    Fast Fashion. High-Street-Labels bringen mittlerweile alle zwei Wochen neue Kollektionen in die Läden und Konsumenten haben das Gefühl, sich immer Neues anschaffen zu müssen, um im Trend zu bleiben. Unser Kaufverhalten wird tagtäglich beeinflusst, wir werden überall mit Marketingstrategien konfrontiert, ohne dass wir es bewusst merken. Die Entscheidungsträger solcher Fast-Fashion-Ketten konzentrieren sich nur auf aktuellen Profit, anstatt mal den Blick in die Zukunft zu wagen. Wenn wir so weitermachen, wird das System kollabieren, früher als es uns allen lieb ist – und das wird seine Konsequenzen haben.

    Welche Tipps hast du für Anfänger, was nachhaltige Mode angeht?

    Keiner muss von heute auf morgen zum Nachhaltigkeitsprofi werden. Das eigene Konsumverhalten zu reflektieren, ist ein erster großer Schritt. Vom Ist-Zustand sollte man sich dann überlegen, wie man individuell den Soll-Zustand erreichen kann. Dafür gibt es viele Strategien: Online-Einkäufe reduzieren, bewusst nur ein T-Shirt kaufen statt drei, öfter einen Blick aufs Etikett werfen, oder mit Freunden eine Kleidertauschparty veranstalten. Auch kleine Schritte führen zum Ziel.

    Welche Botschaft wollt ihr mit dem Magazin vermitteln?

    Mode soll Spaß machen und wir sind dafür verantwortlich, dass das so bleibt. Das bedeutet, dass wir als Konsumenten, uns aktiv mit den anstehenden Problemen auseinandersetzen und motiviert Lösungsansätze dafür finden müssen. Nachhaltigkeit ist nicht das Ende der Mode, sondern steht für einen neuen spannenden Weg, den wir gemeinsam bestreiten können.

    Hochschule Fresenius AMD Akademie Mode & Design

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