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Vortrag der Frauenrechtsorganisation Femnet
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    Vortrag der Frauenrechtsorganisation Femnet

    Kürzlich lud die AMD München zu einem Vortrag der Frauenrechtsorganisation „Femnet“.

    Zwei Referentinnen, Mary Viyakula (43) und Deepika Rao (33), sprachen als Vertreterinnen der Textilarbeiterinnen aus Tamil Nadu und Bangalore in Indien. Mary Viyakula ist Geschäftsführerin von SAVE (Social Awareness & Voluntary Education“); Deepika Rao arbeitet für Cividep India. Femnet, Mitglied der Kampagne für saubere Kleidung, kooperiert mit diesen beiden sowie 16 weiteren NGO’s („Non-governmental organizations“). Mary Viyakula und Deepika Rao befinden sich derzeit auf einer von Femnet organisierten „Speaker’s Tour“ mit dem Schwerpunkt „Gender Based Violence“.

    In Indien gibt es rund acht Millionen Textilarbeiter/-innen, davon sind 60 – 80 Prozent weiblich. Noch immer steht dort Gewalt gegenüber Frauen in der Bekleidungsindustrie auf der Tagesordnung. Die Gewalt beginnt nicht erst mit sexuellen Übergriffen, sondern fängt bei täglicher Diskriminierung und Ausnutzung an. Die Arbeitsrechtaktivistinnen wollten mit ihrem Vortrag das Bewusstsein für dieses Problem schärfen.

    In Indien ist es vorgeschrieben, dass in den Fabriken Vereinigungen gegen geschlechterspezifische Gewalt gebildet werden. „Entsprechende Gesetze existieren“, erklärt Deepika Rao, „doch sie werden nicht eingehalten oder kontrolliert.“ Die TextilarbeiterInnen seien in der Regel zwischen 16 und 28 Jahren alt. „Selten finden Sie eine Arbeiterin über 30“, sagt Mary Viyakula. Wenn die Mädchen ihre Heimatdörfer in der Hoffnung verlassen, in den Städten Geld zu verdienen, verfügen sie meist nur über einen marginalen Bildungsstandard und sind so gut wie gar nicht über ihre Rechte aufgeklärt. Die Löhne stellten sich dann als nur ein Bruchteil dessen heraus, was die Frauen erwartet hatten, und seien nicht existenzsichernd. Für Unterkunft und Verpflegung müssten sie außerdem oft selbst aufkommen. Aufstiegschancen bestünden kaum. Die jungen Frauen würden auch nach ihrem Arbeitstag, der oft 12 – 16 Stunden dauert, fast komplett von der Außenwelt isoliert. „Einmal in sechs Monaten dürfen sie nach Hause fahren“, so die Aktivistin.

    Während und auch nach ihrer Arbeit seien sie der Gewalt der – nahezu ausschließlich männlichen – Führungspersonen ausgesetzt.

    Zu den häufigsten Formen der Gewalt gegenüber Frauen in Indien zählten laut einer Datenerhebung der „sisters for change“, einer Frauenrechtsorganisation aus England, im Jahr 2016 Einschüchterung durch Gewaltausübung (62%), Demütigung (47%), Beleidigung (44%) und ungewollte sexuelle Aufmerksamkeit (14%).

    SAVE und Cividep versuchen durch Aufklärung der Beschäftigten über Rechte und Gesetze sowie mit spezielle Schulungsprogrammen, die Bedingungen zu verbessern. Bereits von Gewalt betroffene Arbeiterinnen erhalten psychologische Betreuung.

    Auf eine Frage aus dem Publikum, was Mode-Interessierte und die Mode-Branche selbst tun können, um die Textilarbeiterinnen zu unterstützen, entgegnete Deepika Rao, dass es vor allem wichtig sei, umzudenken. Dies bedeutet für Fashion-Labels in erster Linie, von vorneherein mehr Kosten und vor allem mehr Zeit einzukalkulieren und sich vor Augen zu halten, dass eine faire Produktion ihren Preis habe.

    Die einzelnen Arbeitsschritte der Produktionskette müssten strenger überwacht werden und es solle auch mehr von außen eingegriffen werden können. Eine aktive Zusammenarbeit der Fabriken mit den NGOs sei unverzichtbar. Spezielle Textilsiegel wie „global organic textile standard“, „Fairtrade Certified Cotton“ oder „Fair Wear Foundation” liefern Orientierungshilfe beim Kleidungskauf. Abschließend gab sie den Zuhörerinnen und Zuhörern in der gut gefüllten Aula mit auf den Weg: „Je günstiger ein Kleidungsstück produziert wird, desto missachtender sind die Produktionsbedingungen für die Arbeiterinnen.“

    Text: Julia Kastner, Fashion Journalism and Communication (B.A.), AMD München

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