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„Radikales Umdenken ist erforderlich!“
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    „Radikales Umdenken ist erforderlich!“

    „Radikales Umdenken ist erforderlich!“

    Auf diesen überraschend gemeinsamen Nenner kamen KiK und Armedangels – zwei sehr unterschiedliche Akteure der Modebranche, die bei der AMD Podiumsdiskussion am 4.12.2019 eingeladen waren. Lavinia Muth, CSR Managerin des jungen nachhaltigen Labels Armedangels und Ansgar Lohmann, CSR Manager des Discounters KiK, vertraten ähnliche Meinungen hinsichtlich der Anforderungen an die Nachhaltigkeit in der Mode.

    Die Kernfrage des Abends lautete für beide Unternehmen: „Mode und Nachhaltigkeit – ist das ökonomisch möglich?“. Im Rahmen der Vortragsserie „Utopie oder Realität? Kriterien nachhaltiger Mode“ waren sie als Gesprächspartner zu einer spannenden Podiumsdiskussion geladen. Der größte Hörsaal der AMD war bis zum letzten Platz gefüllt; Studierende, Dozenten, Gäste aus der Modebranche und Presse saßen dicht beisammen und diskutierten angeregt mit den beiden Referenten. Die Moderation leiteten Prof. Dr. Elisabeth Hackspiel-Mikosch und Dipl. Des. Ina Köhler, Studiengangsleiterin Fashion Journalism and Communication.

    Zunächst erklärte Lavinia Muth die strengen Nachhaltigkeitskriterien für Armedangels. Alle Produkte sind GOTS zertifiziert und unterliegen der Kontrolle der Fair Wear Foundation. Das garantiere die weitgehend ökologisch nachhaltige als auch faire Arbeitsproduktion. Zusätzlich hat Armedangels ein radikal neues System der Preiskalkulation mit Lieferanten entwickelt. Mit Hilfe der Lohnkostenminuten-Rechnung vereinbart die Firma zusammen mit den Arbeitnehmern und Managern ihrer Produktionsfirmen den Zeitaufwand und die anfallenden fairen Lohnkosten pro Teil. So beträgt der Lohnkostenanteil in der Fertigung durchschnittlich 10 % anstelle der sonst üblichen 0,6 %. Dennoch sieht Lavinia Muth noch Verbesserungsmöglichkeiten. Sie würde z.B. gerne Polyesterfasern aus PET-Flaschen komplett in einem geschlossenen Kreislauf überführen, was aber derzeit technisch noch nicht möglich sei. Sie bestätigt, dass auch ein nachhaltiges Unternehmen wie Armedangels sowohl Gewinne erzielen als auch stark wachsen könne. Allerdings seien die Gewinnerwartungen geringer als bei konventionellen Marken.

    Ansgar Lohmann von KiK, dem mit über 2 Mrd. Umsatz fünftgrößten Textilhändler in Deutschland, erklärte, wie der Discounter so billig Kleidung anbieten kann. Es sind seiner Meinung nach nicht extrem geringe Arbeitslöhnen oder schlechte Qualität die Gründe, sondern eine kluge Unternehmensstrategie. Diese verzichte weitgehend auf Marketingausgaben, führe in B-Lagen Geschäfte und produziere keine Fast Fashion sondern Never-Out-of-Stock Ware, die weit im Voraus planbare Produktionszyklen erlaube. KiK ist Mitglied des Textilen Bündnisses und möchte sich im Verbund mit den anderen Textil- und Modefirmen für gerechten Lohn und bessere Arbeitsbedingungen einsetzen. CSR-Manager Lohmann sieht hier auch eine wichtige Aufgabe der Gewerkschaften.

     

    Lavinia Muth und Ansgar Lohmann sind beide der Meinung, dass Nachhaltigkeit in der Modebranche eine internationale Herausforderung sei. Hier müsse eine gesamte Branche radikal umdenken. Internationale Gesetze auf EU-Ebene seien notwendig, um gesunde, ökologische und fair produzierte Kleidung zu garantieren, für Rechtssicherheit und gleiche Wettbewerbsbedingungen für die Branche zu sorgen. Ihrer Meinung ist die Wirtschaftlichkeit dabei aber kein wirkliches Hindernis.

    Diese Vortragsserie wird von Engagement Global GmbH, Service für Entwicklungsinitiativen, mit öffentlichen Mitteln des Landes NRW gefördert.

    Text: Elisabeth Hackspiel-Mikosch

    Fotos: Niklas Breuker

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