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„Mode und Moral“ am 7. Mai
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    „Mode und Moral“ am 7. Mai

    ­­„Mode und Moral“ am 7. Mai:
    5 Fragen an Prof. Dr. Petra Leutner

    „Mode als Kritik“ ist das Thema eines Vortrags von Prof. Dr. Petra Leutner, Professorin für Modetheorie und Ästhetik an der AMD Akademie Mode & Design Hamburg, den sie am 7. Mai (20.15 Uhr) in der Katholischen Akademie Hamburg halten wird. Der gesamte Abend steht unter dem Motto „Mode und Moral“. Der Journalist Andreas Bailo stellte Prof. Dr. Petra Leutner hierzu fünf Fragen.

     

    Hat die Mode eine Moral?

    Prof. Dr. Leutner: In unserer Kultur gibt es die Trennung zwischen dem „Wahren, Schönen und Guten“. Kunst und Mode haben nicht die Verpflichtung, moralisch zu sein; der Soziologe Georg Simmel sagte sogar, die Mode konstituiere einen Bereich kontrollierter Verantwortungslosigkeit. Sie ist ein kreativer Spielraum, den jedes Individuum für sich nutzen kann. In dieser Hinsicht ist ihre ethisch-moralische Funktion, eine Entlastung zu schaffen für die gesamte Gesellschaft, eine Art Katharsis. Sie umfasst einen Bereich, in dem man zwanglos experimentieren und provozieren darf, natürlich im Rahmen unserer Gesetze. Jugendliche können Identitäten ausprobieren, Erwachsene ihren Geschmack kultivieren.

     

    Was kann Mode überhaupt sagen?

    Es gibt die Kleidung von sozialen Bewegungen, die ihre Zugehörigkeit durch ihr Oufit markieren, die sich sogar danach benennen – zum Beispiel die „Gelbwesten“. Das hat nichts mit Mode zu tun. Soziale Bewegungen können allerdings im Rahmen dessen, was sie aussagen wollen, stylische Erfindungen machen, die dann als Ornamente in die Mode einwandern. Das haben etwa die Punks geschafft, indem sie ihre Gesellschaftskritik durch Risse in den Kleidern oder das provozierende Vermischen von Pornographie und Design ausdrückten. Solche Elemente sind von der Straße in die Mode eingewandert. Sie haben damit ihre konkrete Botschaft verloren und sind zu Ornamenten geworden. Es ist ein wichtiger Punkt, dass politische oder moralische Aussagen in der Mode ihre ursprüngliche Bedeutung relativieren – ein brilliantenbesetzter Anhänger in Totenkopfform ist nicht mehr als Drohung gemeint.

     

    Ist die heutige westliche Mode ein Statement bzw. hat sie eine „symbolische Sprache“?

    Die Kleidung formuliert immer eine zeichenhafte Sprache, mit der man zum Beispiel die eigene soziale Position ausdrücken kann. Es gibt aber seit den 1980er Jahren mehrfach ModedesignerInnen, die direkt vom Laufsteg aus Botschaften aussenden wollen. Das widerspricht ein wenig der oben genannten Trennung der Bereiche Wissenschaft / Kunst / Ethik und schafft gewisse Paradoxien, die sehr interessant sind. Alexander McQueen beispielsweise schuf Kollektionen mit politischer Aussage, und die Designerin Maria Grazia Chiuri zeigte 2016 eine Dior-Show, in der Models Plakate hochhielten und Shirts trugen mit der Aufschrift: „We should all be Feminists“. Solche DesignerInnen nutzen die Mode zur Vermittlung von Inhalten.

     

    Übt Fashion Gesellschaftskritik? Hat die Mode das Potenzial und die Kraft für gesellschaftliche Veränderungen und Umwälzungen?

    Mary Quant hat vom Laufsteg aus schon in den 60er Jahren vorgemacht, dass man durch Kleidung auf dem Körper der Frau Politik machen kann, indem sie erfolgreich den Minirock durchsetzte und dies die Frauenbewegung entscheidend beflügelt hat. Man darf nicht unterschätzen, welche Kraft solche Praktiken haben. Umgekehrt erleben wir heute die Debatte um die Mode orthodoxer Religionen und um die sogenannte „Modest Fashion“, eine Bewegung, die die Bedeckung des weiblichen Körpers propagiert. Ein Beispiel dafür bietet die muslimische Mode, die derzeit in der Ausstellung „Contemporary Muslim Fashions“ im Museum für Angewandte Kunst Frankfurt zu sehen ist. Diese Kleidung entstand aus religiösen Wurzeln, hat sich aber teilweise säkularisiert und steht nun allen Frauen offen. Ob sie eine neue Politik propagiert, wird sich zeigen, doch für viele emanzipierte westliche Frauen ist sie jedenfalls ein rückwärts gerichtetes Symbol, das die Frau als züchtig und bescheiden („modest“) präsentiert. Dadurch werden Kulturkämpfe ausgelöst, die am Ende politisch sind.

     

    Nachhaltigkeit ist seit Jahren ein Thema in der Mode – was ist in dieser schon recht langen Zeit unter dem Strich bis heute erreicht worden?

    Man kann einem Kleidungsstück leider noch nicht ansehen, ob es nachhaltig produziert wurde. Sonst wäre die Durchsetzung viel einfacher. Nachhaltige Kleidung nennt sich heute bei großen Marken „conscious“, ansonsten spricht man auch vom „ethical turn“. Es wurde noch nicht genügend erreicht in Bezug auf eine Verbesserung der Bedingungen, unter denen ArbeiterInnen westliche Kleidung möglichst billig herstellen müssen – damit wir T-Shirts kaufen und nach vier Wochen wieder wegwerfen können. So etwas hat weniger mit Luxus als mit einem Mangel an Respekt zu tun. Die Erkenntnis der Endlichkeit von Ressourcen hat neue ethische Grundvoraussetzungen geschaffen, die leider mit ökonomischen Interessen konkurrieren. Die ethische Verpflichtung zur Nachhaltigkeit spielt beim Umgang mit sämtlichen Konsumgütern inzwischen eine entscheidende Rolle. Dies gilt nicht nur für Mode.

     

    Veranstaltung „Mode und Moral“ mit einem Impulsvortrag von Prof. Dr. Petra Leutner,
    Thema: „Mode als Kritik“

    Eintritt: 9 / 6 Euro

     

    Am Dienstag, 7. Mai, 20.15 Uhr

    Ort: Katholische Akademie Hamburg, Herrengraben 4, 20459 Hamburg

     

    Weitere Infos und Anmeldung unter:

    https://www.kahh.de/programm/kalender/

     

     

     

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