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Fast oder Fair Fashion – die Folgen in der Modeproduktion
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    Fast oder Fair Fashion
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    die Folgen in der Modeproduktion 

    Fast oder Fair Fashion – die Folgen in der Modeproduktion  

    Daniela Wawrzyniak, Ethikerin und Mitgründerin des Fair Fashion Labels SHIPSHEIP

    Daniela Wawrzyniak erörterte die Folgen von Fast oder Fair Fashion in der Modeproduktion. Dabei stellte sie diese Fragen: „Welchen Unterschied macht es wirklich, ob fair oder konventionell produziert wird? Was machen faire Labels besser – und was muss passieren, wenn wir die Modebranche wirklich nachhaltig ändern wollen?“ Ihr Fokus lag dabei auf der textilen Produktionsstufe der Konfektion, die besonders von der Einkaufspolitik der Modeunternehmen betroffen ist.

    Zunächst erklärte sie den Hintergrund: Durch die Gründung der Welthandelsorganisation 1995 und die Aufhebung von internationalen Handelshemmnissen, lagerten die Industrienationen immer mehr ihre Produktion in die sogenannten Billiglohnländer aus. Inzwischen werden 80 – 90 % unserer Kleidung in Asien produziert, wo Verstöße gegen Mindeststandards menschenwürdiger Arbeit weit verbreitet sind: Lohndiebstahl, Lohnkürzungen, Verzicht auf Arbeitsverträge, gefährliche Arbeitsplätze oder mangelnde Transparenz sind hier alltägliche Probleme. Moderne Sklaverei kann man in den Baumwoll-Spinnereien in Indien feststellen, wo die ausbeuterische Zwangsarbeit des Sumangali-Systems immer noch existiert.

    Auch im aufstrebenden Produktionsland Äthiopien sind die Arbeitsbedingungen in den neu errichteten Industrieparks sehr schlecht trotz der entwicklungspolitischen Unterstützung durch die deutsche Bundesregierung. Der Bildungsstand ist niedriger als in Bangladesch. So gibt es in Äthiopien auch keine Gewerkschaften und keinen Mindestlohn im Privatsektor. Die Arbeiterinnen in der Textilfertigung verdienen zwischen 20 – 50 Euro pro Monat, was unter dem Durchschnittseinkommen des Landes liegt. Da Äthiopien keinen Zugang zum Meer hat, werden die Produkte ausgeflogen, was den an sich schon sehr hohen C02-Ausstoß der Textilindustrie noch weiter ansteigen lässt.

    Fast Fashion mit seinen bis zu 26 neue Kollektionen im Jahr und schnellen Reaktionen auf neuste Trends ist im hohen Maße verantwortlich für die schlechten Arbeitsbedingungen. Die Einkäufer der Mode-Brands üben einen enormen Druck aus auf die Fertigungsbetriebe hinsichtlich Lieferzeiten und Preise. Die internetbasierten Rückwärtsauktionen, die Aufträge nach dem niedrigsten Angebotspreis vergeben, drücken bei der Verteilung von Arbeitsverträgen die Preise noch weiter nach unten.

    Was muss sich ändern, damit die unmenschlichen Arbeitsbedingungen in der Fertigung von Mode aufhören? Daniela Wawrzyniak sieht hier die westlichen Modefirmen vorrangig in der Pflicht. Ihre Einkaufspraxis ist hier entscheidend. Wenn sie anstelle auf billige Fast Fashion auf hochwertigere Ware setzen würden, deren Fertigung auch etwas länger dauern darf, wäre das ein großer Fortschritt für mehr menschliche Fertigungsbedingungen. Kleidung sollte mindestens 5 Jahre halten und die Konsumenten sollten wieder lernen, die Arbeit wertzuschätzen, die in der Kleidung steckt. Ferner stellt sich die Frage, wer die politische Verantwortung trägt. Auch hier werden immer mehr Stimmen laut, die nach gesetzlicher Sorgfaltspflicht und nachhaltigen Wertschöpfungskettengesetzen in den Konsumländern fordern.

    2015 gründete Daniela Wawrzyniak gemeinsam mit der AMD-Absolventin Joana Ganser das Label „Shipsheip – Holistic Fashion“. Ihr Name ist Programm. Sie legen großen Wert auf ökologisch-nachhaltige und fair produzierte Mode. Als Antwort auf die Frage, ob ihre Kosten und Preise dadurch nicht zu hoch seien, rechnete sie vor, dass die Herstellungskosten von ökologisch nachhaltiger und fair produzierter Kleidung eigentlich nicht sehr viel teurer als konventionelle oder Fast Fashion sind. Denn der Anteil des Fertigungslohns ist relativ gering, selbst wenn existenzsichernde Löhne gezahlt würden. Allerdings gab sie zu, dass der Profit unter dem Strich etwas kleiner sein kann, was aber gewinnbringendes Wirtschaften dennoch nicht gefährden würde.

    Sie sieht die größten Probleme aber an einer ganz anderen Stelle. Nachhaltigkeit und faire Arbeitsbedingungen in der Mode sind sehr komplexe Themen und bedeuten einen beträchtlichen Aufwand für die Firmen. Man muss zuverlässige Lieferanten finden, langfristige Geschäftsverbindungen aufbauen und viele Produktionsabläufe kritisch überdenken. Öko-faire Modeunternehmen müssen zudem strenge Auflagen von nachhaltigen Siegeln erfüllen. Deshalb hat sie großes Verständnis dafür, wenn konventionelle Modeunternehmen erst mit kleinen Pilotprojekten sich langsam in Richtung Nachhaltigkeit vortasten.

    Text: Elisabeth Hackspiel-Mikosch

    Fotos: Elisabeth Hackspiel-Mikosch und Christoph Schnedler

    Fast oder Fair Fashion - die Folgen in der Modeproduktion 
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    Hochschule Fresenius AMD Akademie Mode & Design

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