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2017 Mode & Migration
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    2017 Mode & Migration

    Forschungszentrum Kleidung & Gesellschaft

    Mode & Migration

    Wir leben in einem Zeitalter der Migration. Reisebewegungen, Umsiedlungen und Expeditionen in ferne Länder und fremde Kulturen hat es zwar bereits seit der Antike gegeben und Handelsrouten zur See und auf dem Lande (Stichwort: Seidenstraße) haben kontinuierlich und mit wachsender Intensität den Austausch unter fremden Kulturen gefördert. Die Intensität der Globalisierung und gleichzeitige Verknappung der weltweiten Ressourcen in unserer Gegenwart hat jedoch bislang unbekannte Ausmaße angenommen. Die dadurch forcierten Migrationsbewegungen sind seit 2015 mit ungeahnter Wucht auch über Europa hereingebrochen.

    Das Forschungsprojekt „Mode & Migration“ von Olga Blumhardt und Prof. Dipl. Des. Antje Drinkuth, hat sich zur Aufgabe gemacht, diese neue Situation zum Anlass nehmen, um neben den Risiken vor allem die Chancen für die Kreativbranche zu beleuchten. Die Migration bringt kreative Menschen aus fremden Kulturen ins Land. Das ist etwas anderes, als der globalisierte Warenaustausch, der bislang fremde Kulturen vor allem über Importwaren bekannt machte. Nun kommen kreativ tätige Menschen nach Deutschland, durch die eine neue Form des gegenseitigen Austauschs stattfindet, weil der Handlungsort der Künstler und Designer nun ein anderer ist. Kreative, die bislang im arabischen oder asiatischen Raum gewirkt haben, befinden sich nun in Deutschland. Und deutsche Designer und Kulturschaffende sind erfolgreich im Ausland und formen mit Ihrer Arbeit ein Bild der deutschen Kreativszene und Kultur.

    Dieses Aufeinandertreffen der Kulturen – das wollte „Mode & Migration“ in den Fokus stellen – es ist kein „Clash of Cultures“, der den Antagonismus verschiedener Kulturen hervorhebt. Vielmehr ist das Zusammentreffen der Menschen aus verschiedenen Kulturen eine Bereicherung der Kreativwirtschaft, insbesondere der Mode, wie gezeigt werden sollte.

    Für den Standort Deutschland bot das Thema höchste Aktualität, denn gerade in Berlin ist die jüngste Modeentwicklung der letzten zehn Jahre maßgeblich von der Migration geprägt. Dies betrifft zum einen die globale Bewegung der Modedesigner selbst, zum anderen ist aber auch die Migration der Modestile gemeint, für die Berlin gewissermaßen als Fluchtpunkt dient.

    Mit den eingewanderten Designern, die in Deutschland wirken, wurde auch und gerade die Außenwahrnehmung auf den Standort Berlin/ Deutschland gesteigert. Davon profitiert die gesamte Kreativwirtschaft und entfaltet eine Signal- bzw. Vorbildwirkung. Dies bedeutet für den Nachwuchs, dass Deutschland für junge Kreative ein attraktiver Standort ist.

    Die dem Projekt zugrundeliegende These war, dass die ProtagonistInnen so unique und erfolgreich sind, weil das Zusammenführen von Kulturen ein wesentliches Merkmal ihrer gestalterischen Konzeptionen ist. Das Wesen der Mode ist das Zitieren, aber auch die Transformation von Stilen und Traditionen.

    Es ging vor allem darum, die Erfahrungshintergründe als Vokabular für die Formung einer authentischen gestalterischen Sprache herauszustellen. Differenziert werden sollten mit der Untersuchung die Unterschiede zwischen einem intuitiven Kreativprozess von Designern mit Migrationshintergrund und einem bewussten Arbeiten mit traditioneller Bekleidung ihrer ursprünglichen Kultur. Darüber hinaus standen im Fokus der Untersuchung die Wirkung auf und die Rezeption durch die Gesellschaft, deren trendsetzenden Akteure Theoretiker (AutorInnen, JournalistInnen, SoziologInnen etc.) und junge MigrantInnen sind (Bubble-Up- Prinzip). Gerade in den Disziplinen der postkolonialen Mode- und Designtheorie stand diese Schwerpunktsetzung noch immer aus.

    Das Forschungsprojekt gliederte sich in drei Teile:

    Die angewandte Forschung im Studiengang Mode Design (B.A.) und Ausbildungsgang Modejournalismus / Medienkommunikation am Standort Berlin der AMD. Das Thema „Mode & Migration“ wurde bei kreativen Projekten in den Fokus gerückt. Im Sommer 2016 wurden die Ergebnisse in der Galerie SATELLIT zur Fashion Week präsentiert.

    Die Publikation „TRACES – Fashion & Migration“, ein Hybrid aus wissenschaftlichen Texten, journalistischen Formaten und anspruchsvollen Fotoserien.

    Eine Modenschau im Foyer des Auswärtigen Amts in Berlin, in dem selektierte Arbeiten von Studierenden zu dem Thema sowie eine exquisite Auswahl von DesignerInnen mit Migrationshintergrund ihre Kollektionen präsentieren durften.

    Bei der Modenschau wurden erstmals Modedesigner mit Migrationshintergrund thematisch und in Persona gesammelt und ihre Werke präsentiert. Der thematische Fokus generierte ein neues Format der Modepräsentation, bei dem unterschiedliche Designer ein und demselben Thema zu arbeiten – vergleichbar mit Formaten der Kunstausstellungen, die mit thematischem Fokus kuratiert werden.

    Das Projektziel war, diese Synergien fruchtbar zu machen, indem die Inhalte der Publikation und der Modenschau so zusammengeführt wurden, um sie einem breiten und vor allem globalem Publikum präsentieren zu können. Zu einer Zeit, in der Migration von vielen Menschen auch in Deutschland als Bedrohung wahrgenommen wird, war es den Initiatorinnen des Projekts ein Anliegen, progressive Signale zu setzen. Hierzu zählen positive Beispiele aus der Modeszene der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart auf Fotostrecken zu zeigen, die Zeugen gelungener Integration und ihrer bereichernden Einflüsse auf unsere Gesellschaft sind. Denn es kann nicht deutlich genug hervorgehoben werden, dass (Mode-) Design nicht nur ein Spiegel der Gesellschaft, sondern vielmehr dazu in der Lage ist, ihrer Gesellschaft den Anstoß zu kreativem Wandel und veränderter Sinnstiftung zu verleihen.

    Mode verbindet, unabhängig von Herkunft, Geschlecht und Ethnie. Mode ist Code und Mode ist politisch. Sie basiert auf dem Toleranzgedanken und trägt deshalb maßgeblich zu Emanzipation und Freiheit bei.
 Das Ziel war es aufzuzeigen, dass Migration Vielfalt fördert und dass Vielfalt eine Bereicherung darstellt.

    Zum Projekt erschienen ist der Sammelband:
    TRACES – Fashion & Migration. Hg. von Olga Blumhardt und Antje Drinkuth. Berlin: Distanz-Verlag 2017.
    Mit Fotografien von u.a.: Horst Dierkgerdes, Hans Feurer, Benjamin Alexander Huseby, Inez & Vinoodh, Ralph Mecke, Mario Sorrenti, Wolfgang Tillmans
    Mit Texten von u.a.: Manuel Almeida Vergara, Dr. Burcu Dogramaci, Jan Kedves, Jina Khayyer, Dr. Mahret Ifeoma Kupka , Marlene Sorensen, Silke Wichert

    • Forschungsleitung

      Prof. Antje Drinkuth; Olga Blumhardt Kontakt: antje.drinkuth@amdnet.de

    • Forschergruppen

      Studierende des Studiengangs Mode Design (B.A.) und der Kunsthochschule Weißensee, Berlin

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