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Virtuelle Mode und mehr: Was KI in der Fashionbranche möglich macht
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    Virtuelle Mode und mehr: Was KI in der Fashionbranche möglich macht

    Seit gestern dreht sich in der deutschen Hauptstadt wieder alles um Mode und Design – denn es ist Berlin Fashion Week. Ein Schwerpunktthema in diesem Herbst lautet: Fashion & Technologie. Passend dazu hat unsere Kollegin Michelle Hamacher im Podcast adhibeo mit Prof. Dr. Ingo Rollwagen von der AMD Berlin über Künstliche Intelligenz (KI) und deren Einfluss auf die Modeindustrie gesprochen.

    Im Blog veröffentlichen wir Auszüge aus dem Gespräch. Ingo Rollwagen erklärt, warum virtuelle Kleidung zukünftig eine wichtige Rolle spielen könnte und welche Aussichten und Chancen KI für die Modewelt mit sich bringt.

    Michelle Hamacher: Gerade in Zeiten von Corona, Homeoffice und Online-Events bekommen wir die Chancen der Digitalisierung einmal mehr aufgezeigt. Wenn ich an den Modesektor denke, so gab es noch nie so viele digitale Modeschauen oder virtuelle Showrooms wie 2020/2021. Eng verknüpft mit der fortschreitenden Digitalisierung vieler Lebensbereiche ist auch die datenbasierte, künstliche Intelligenz. Inwiefern betrifft das Thema KI die Modebranche?  

    Ingo Rollwagen: Es ist tatsächlich so, dass wir uns gerade inmitten einer Wissensrevolution befinden, was die Modebranche betrifft. Wir haben vom Design über die Kollektionsentwicklung, Beschaffung und Fertigung der Kleidung bis hin zu Marketing, Vertrieb und dem Kauf von Kleidung gerade durch die Pandemie und den getriggerten elektronischen Handel extrem starke Veränderungen – die teilweise alle durch KI – Formen algorithmischer Innovation – beeinflusst werden. 

    Wenn man über KI und die algorithmischen Innovationen nachdenkt, dann erkennt man, dass in Zukunft sehr viel mehr neue Materialien wie zum Beispiel Tencel immer stärker ins Design mit einfließen, da die Designer auf Basis von KI auch mehr Wissen über neue Materialien zur Hand bekommen. Designer erhalten – auch zur Steigerung Ihrer Kreativität – Unterstützung von KI-Lösungen und KI-Anwendungen, wenn die digitalen Design- und Produktlebenszyklusmanagementprogramme dementsprechend programmiert werden. Algorithmische Innovationen können dazu führen aufzuzeigen, welches Material eine bessere nachhaltige Wirkung hat und gleichzeitig noch kostensensitiv ist. Das Gleiche passiert auch bei Kollektionsentwicklungen, denn dort wird in wachsendem Maße automatisierte Datenverarbeitung benutzt. Auf einmal werden Fashion Items neu miteinander kombiniert und ganze Kollektionen neu erschaffen. Das basiert auf der Auswertung der bisherigen Käufe und Orientierungen. 

    Durch KI ändert sich aber auch die Kleidungspraxis, weil natürlich heutzutage einige, zum Beispiel die Gamer-Community, sehr stark interessiert sind, auch virtuelle Kleidung zu besitzen, um in der virtuellen Welt modische Akzente zu setzen oder durch augmentierte Realitätsfunktionen einfach anders zu erscheinen und sich anders zu kleiden.

    M.H.: Stichwort „virtuelle Kleidung“ – ein weiterer Trend. Hört sich kurios an – was kann man sich darunter vorstellen? Hat dieser Trend aus Ihrer Sicht eine Zukunft? 

    I.R.: Es geht natürlich auch bei virtueller Kleidung stark um ästhetisch motivierte Menschen, die Kleidung völlig neu denken und völlig neue Kleidung denken und dabei erst mal nicht an den physischen Grenzen scheitern. Sie sehen sich als kreative Schöpfer von neuer Mode, die jetzt auch die virtuelle Welt benutzen, um ihren ästhetischen Impulsen freien Lauf zu lassen. Diese Mode wird dann vor allem durch sogenannte NFT-Tokens in der virtuellen Welt kaufbar bzw. für die weitere Gestaltung und die Nachwelt erhalten.

    Ich arbeite gerade mit einen meiner Bachelorstudierenden und einer großen Designagentur an der Frage, ob NFTs nur ein Hype oder wirklich eine wichtige Orientierung sind. Die ersten Ausblicke dieser Arbeit, die wir auch mit wirklichen Mode- und Luxusunternehmen diskutiert haben und weiterhin diskutieren werden, zeigen, dass es sich tatsächlich nicht nur um einen Hype handelt, sondern dass ein gewisses Potenzial darin steckt, ganz neue dezentralisiert-datenbasierte Wertschöpfungsmodelle zu entwickeln.  

    M.H.: Es gibt natürlich noch weitere Bereiche entlang des Modezirkels, die zunehmend von algorithmischen Innovationen geprägt sind, wie Sie zu Anfang unseres Gesprächs bereits angerissen haben. Aber mal zusammengefasst: Welche Chancen und Herausforderungen für KI in der Modebranche sehen Sie insgesamt?

    Prof. Dr. Ingo Rollwagen

    I.R.: Also der Einsatz von KI und algorithmischer Innovation wird sämtliche Bereiche der Modebranche verändern. Im Moment liegt das Augenmerk auf dem Marketing und dem Handel, vor allem, um den E-Commerce noch weiter zu entwickeln. Wir werden aber durch die weiteren Fortschritte in diesen Bereichen und durch völlig neue Datenmodelle auch dazu fähig sein, automatisiert neues Wissen zu generieren.

    Und wir werden, und das wünsche ich mir auch, völlig neue – auch nachhaltigere – Fashion-Produkte hervorbringen. Design und Kollektionsentwicklung werden in Zukunft durch diese algorithmische Innovation, durch den Einsatz von KI ganz anders beflügelt werden, wenn wir dies richtig nutzen und viel Wissen, Sachverstand und Weisheit investieren. Und das können wir durch den Bereich der virtuellen Kleidung heute schon erkennen. Die Kreativen, die Macher der Mode und die Modeunternehmen, werden durch die Nutzung und durch den Einsatz von KI aber noch viel mehr hervorbringen. Diese Innovation brauchen wir auch, denn in unseren Lebens- und Arbeitsumfeldern verändern wir durch den Klimawandel und den technischen digitalen Fortschritt in naher Zukunft mehr, als wenn wir es heute antizipieren und uns nur vorstellen es zu wagen. 

    Das ganze Gespräch mit Prof. Dr. Ingo Rollwagen hören Sie im PODCAST ADHIBEO.

    Hochschule Fresenius AMD Akademie Mode & Design

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