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Inspirierendes Interview: Junges Design Duo für London Graduate Fashion Week nominiert
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    Inspirierendes Interview: Junges Design Duo für London Graduate Fashion Week nominiert

    Das Designer-Duo Gabriela Sanchez und Cedric Grünewaldt ist mit seiner Kollektion „The Vulgar Men“ für die London Graduate Fashion Week nominiert. Was macht den Stil der beiden Talente aus? Wie sind die beiden auf die Idee ihrer gefeierten Kollektion gekommen? Welche Herausforderungen sehen sie beim Beruf des Modedesigners? … und welche Tipps geben die beiden jungen Nachwuchstalenten mit…. all das verraten sie im persönlichen Interview.

    Herzlichen Glückwunsch. Eure Abschlusskollektion wurde auserwählt, ihr zeigt sie im Juni auf der LGFW. Was waren eure ersten Gedanken?

    Cedric: Als ich davon hörte, dass überhaupt die Möglichkeit in London besteht, habe ich mir erstmal keine großen Hoffnungen gemacht. Ich meine wir reden hier von London, eines der wichtigsten Modestädte der Welt! Die Jury der AMD hat unsere Kollektion aus allen Abschlussarbeiten des Jahres 2018 ausgesucht und als die Kollektion mit den besten Voraussetzungen für London ernannt. Über die Entscheidung sind wir sehr glücklich. Ohne die AMD, die an uns glaubt, wäre all dies nicht möglich. Ihre Entscheidung bestärkt uns auch darin, dass wir uns für eine reine Menswear Kollektion entschieden haben und zeigt ihre wachsende Bedeutung in der Branche.

    Gaby: Ich glaube für uns als Jungdesigner bietet London viele Chancen, die man nutzen muss! Es werden viele internationale Gäste aus der Mode da sein. So kann man leicht den einen oder anderen Kontakt suchen und womöglich sich schon jetzt eine Art Netzwerk aufbauen, die bei der zukünftigen Jobsuche nur von Vorteil sein kann.

    Worauf seid ihr in London gespannt?

    Cedric: Wir sind gespannt auf das Event an sich, wie wird es alles ablaufen und was unterscheidet die GLFW von einer herkömmlichen Fashion Week Show. Und besonders sind wir auch auf die anderen Arbeiten der Studenten gespannt. Es wäre interessant, herauszufinden, ob man eine Art eigenen Stil erkennen kann und dieser in Verbindung mit der Kultur steht.

    Ist es eure erste Fashion Show?

    Gabi: Nein es wird nicht unsere erste Show sein. Wir hatten ja erst Anfang des Jahres unsere Abschlussshow der Bachelor Kollektionen. In Hamburg wird sie von der AMD die PULS genannt. Der Name ist von Standort zu Standort verscheiden. Die jeweilige Show wird von Anfang an in Zusammenarbeit mit den Studenten organisiert. Vom Casting, über den Aufbau der Show bis zur Küchenhelferin, die für das Catering der Models zuständig ist, war man überall dabei. Durch die familiäre Umgebung hat man sich wie Zuhause gefühlt. In London erwartet uns eine andere Atmosphäre. Wir kennen die Leute nicht und wir wissen nicht den genauen Ablauf. Während wir uns nun mehr als Gäste fühlen, waren wir doch bei der PULS 18 mehr die Gastgeber.

    Cedric: Gabi und ich haben mit unserer Viert-Semester-Kollektion auch an einem Wettbewerb der Serbia Fashion Week teilgenommen. Wir waren unter den 3 Finalisten und wurden eingeladen, unsere Outfits auf der Fashion Week vorzustellen. Auch hier hatten wir die Aufgabe, unsere Models für die Show selbst auszuwählen und auch das Fitting zu machen. Wir haben vom Hairstyling, über das Make-Up, bis hin zur Musik und Running-Order alles selbst entschieden und organisiert.

    Was war eure Inspiration/ Konzept der Kollektion?

    Cedric: Als ich in meinem Praktikum in London die Ausstellung “The Vulgar” im Barbican Center besucht hatte, war ich sofort von ihr inspiriert. Ich habe zuvor nie soviel darüber nachgedacht, was das Wort “Vulgär” an sich überhaupt bedeutet, geschweige denn im Hinblick auf die Mode. Für mich war es ein Wort, was man vielleicht mal gehört oder gelesen hat, und meint seine Bedeutung zu verstehen.

    Die verschiedenen Texte und Kommentare zur Ausstellung wurden in einem Buch zusammengefasst. Als ich es später las, merkte ich sofort, dass es um viel mehr geht, als nur um ein modisches Phänomen. Es geht um den Menschen und sein Denken, seine Gefühle und Ängste und besonders um soziale und gesellschaftliche Strukturen.

    Ich musste unbedingt Gabi sofort davon erzählen. Es war schade, dass sie nicht dabei sein konnte. Als ich ihr die einzelnen Texte und Eindrücke zusendete, war ihre anfängliche Skepsis vorbei. Wir waren sofort einer Meinung: Das ist das Thema für unsere Bachelorarbeit.

    Gabi: Wir haben uns sehr darüber gefreut, eine Thematik gefunden zu haben, die uns viele Freiheiten im Designprozess ermöglicht. Wir haben uns sehr lange und intensiv mit dem Wort und seinen Definitionen befasst und waren beeindruckt von der Vielfältigkeit. Vulgär zu sein bedeutet eben nicht immer nur ein sexistisches Verhalten oder generell etwas Negatives. Vulgarität kann vieles, auch viele positive Aspekte spielen eine Rolle. Wir haben durch den Prozess unsere ganz eigene Definition erarbeitet und sie in den Entwürfen umgesetzt.

    Was zeichnet für euch einen guten Designer aus?

    Gabi: Wenn ich ehrlich bin, mag ich die Bezeichnung des Designers nicht so gern. Für mich sollte vielmehr das Wort, was ihn ausmacht, nämlich seine Kreativität, im Vordergrund stehen. Also spreche ich meist gern einfach von “kreativen Köpfen”. Neben einem unerlässlich hohen Maß an Kreativität sollte man aber immer authentisch bleiben bei dem was man macht. Von uns wird verlangt, immer auf der Suche nach neuen Innovationen zu sein, was ich ein wenig kontrovers sehe, da bereits vieles erfunden wurde und schon existiert. Wir haben uns wirklich oft während unserer Arbeit darüber unterhalten und sind da einer Meinung.

    Für uns gibt es Bereiche, wie z.B. die Materialität, Farb- und Stoffauswahl, die Silhouetten-Findung und die unterschiedlichen Stilkombinationen an sich, die alle miteinander noch viel Potenzial bieten, um einen individuellen Look zu kreieren. Wenn man es schafft, alle Aspekte konstant weiter zu entwickeln, ist das eigentlich die Antwort für uns auf diese Frage

    Wo findet ihr Inspirationen und neue Ideen für Kollektionen?

    Cedric: Um eine wirklich gute Inspiration zu finden, bedarf es Zeit. Es ist wie ein niemals endender Prozess. Man sammelt während seines ganzen Alltags und in den verschiedensten Situationen Eindrücke, die nicht nur visuell sind. Man kann nie sofort sagen, ob es für eine Inspiration einer ganzen Kollektion reicht.

    Im Vergleich zum regulären Designablauf in der Branche, hatten wir das Glück, uns mit der Thematik bis ins kleinste Detail befassen zu können. Dadurch merkten wir, wie die Qualität unserer Inspiration immer mehr zunahm.

    Aber wenn es darauf ankommt, von heute auf morgen eine Inspiration zu finden, kann schon aus etwas Kleinem, was deine Aufmerksamkeit unter normalen Umständen sonst nicht so stark geweckt hätte, eine Inspiration werden. Manchmal genügt nur ein Wegweiser. Wenn man dann eine bestimmte Richtung eingeschlagen hat, kommt alles von allein und man arbeitet mit den Erfolgen sowohl als auch mit den Misserfolgen.

    Ihr habt nun euren BA-Abschluss, was sind eure Zukunftspläne?

    Cedric: Gabi und ich haben erstmal beide den Wunsch gehabt, dass wir unbedingt nach dem Studium in den Arbeitsalltag eines Designers einsteigen möchten. Kurz gesagt: Wir sind auf der Suche nach einem Job. Je nachdem, wo man sich bewerben will, sollte man ein gut abgestimmtes Portfolio haben, das seine Arbeiten und seine Stilrichtung, in die man gehen will, am besten zeigt. Bei uns beiden wäre es z.B. die Menswear, die unsere Arbeiten ausmacht. Aber zu Anfang sollte man sich natürlich nicht auf etwas verkrampfen und immer flexibel bleiben. Es ist wie bei den Inspirationen. Man arbeitet mit dem, was kommt und macht das Beste daraus.

    Ich überlege noch, einen Master zu machen. Damit ich meine Fähigkeiten und Qualifikationen weiter ausbauen kann. Dies aber erst frühestens in einem Jahr. Man merkt einfach, wie viel man auch noch nach seinem Studium lernen kann und damit meine ich vor allem Erfahrungen sammeln. Später werden diese beim Master sicherlich vom Vorteil sein.

    Gabi: Wir haben beide das Praktikum im Ausland während des Studiums sehr genossen. Deshalb sind wir beide daran interessiert, uns international zu bewerben.

    Möchtet ihr also international arbeiten?

    Gabi: Es ist immer wichtig, internationale Erfahrungen zu sammeln und somit seinen persönlichen Background zu erweitern. Man wird erfahrener und kann besser mit den verschiedensten Situationen im Arbeitsleben umgehen.

    Wenn man für eine bestimmte Zeit in einem fremden Land lebt, wird man von den Merkmalen der einzelnen Kulturen geprägt. Man kann sich viele neue positive Eigenschaften der einzelnen Kulturen aneignen und lernt, mit ihren vielleicht nicht so einfachen Arbeitsweisen besser umzugehen.

    Welche neuen Berufsbilder gibt es im Modedesign?

    Gabi: Die Modebranche wechselt ständig ihr Gesicht und ist geprägt von ihrem Wandel. Durch ihre Vielfalt ergeben sich auch immer wieder neue Berufsbilder. Ein Beispiel wäre der Beruf des Modebloggers. Egal ob für Frauen oder Männerbekleidung. Ihre Bedeutung nimmt immer mehr zu  und sie sind für uns wie das Bindeglied zwischen Designer und Konsument. In ihren Social Media Kanälen posten sie jeden Tag neue Stilkombinationen und Outfitideen. Somit hat jeder die Möglichkeit, sich Tipps für seinen Kleiderschrank zu holen. Manche kombinieren auch Designerkleidung mit erschwinglichen Teilen, wie z.B. Second-Hand Sachen zusammen oder spezialisieren sich auf nachhaltige Modetrends.

    Cedric: Was wir dabei wichtig finden, dass man nicht einfach nur einen Stil des Modebloggers kopiert. Man muss selber herausfinden, was zu einem passt und was einem steht. Nur weil alle High-Heels tragen, sollte man nicht denken, dass seine Lieblings-Sneaker ein “No-Go!” sind. Ich glaube jeder versteht, was wir damit meinen. Man sollte seinen eigenen individuellen Stil finden, indem man sich wohl fühlt. Nur dann wirkt man authentisch und ist verkleidet.

    Ein anderes, wichtiges Berufsbild ist noch der sogenannte Trendspotter. Wir haben Trends bei unseren Kollektionen immer wie eine Art Spielregeln der nächsten Modesaison gesehen. Nicht immer haben wir uns an sie gehalten. Mode lebt durch die Vielfalt. Manchmal muss man auch Regeln brechen. Dennoch gibt es diesen Beruf, der schon heute entdeckt, was die ganze Welt morgen trägt. Ein Trendforscher ist immer auf der Suche nach neuen Looks und  unverwechselbaren Styles. Die findet er nicht nur auf dem Laufsteg, sondern auch auf den Straßen. Somit nimmt er letztendlich auch Einfluss auf die modischen Kreationen wichtiger Designer oder auf das Kaufverhalten der Menschen.

    Was habt ihr an der AMD gelernt?

    Cedric: Für mich begann das Studium erstmal mit dem Erlernen der Grundkenntnisse. Ich saß z.B. noch nie zuvor vor einer Nahmaschine. Die Technik für Schnitt und Fertigung seiner Kollektionen als Designer zu beherrschen, sind unerlässlich. Unsere Dozenten waren bei Fragen und Problemen immer für uns da. Wir fühlten uns besonders im Bachelor Semester von unseren beiden Professoren gut unterstützt. Sie nahmen sich viel Zeit für unsere Ideen und Vorschläge, die wir wöchentlich präsentierten. Auch wenn es mal Phasen der Verzweiflung gab, haben sie uns immer motiviert, weiter zu kämpfen. Sie haben unseren eigenen Stil immer unterstützt.

    Gabi: Neben dem kreativen Bereich wurde uns auch Wissen in Modegeschichte, im Modemanagement und Kommunikationsdesign, oder auch ökonomische Aspekte beigebracht, auch wenn das letztere für uns als Designer einwenig trocken war. Wir haben das Studium auch wie ein Wachstumsprozess unsererseits erlebt. Man lernt auch viel über sich selbst, man lernt persönliche Fähigkeiten, die später für den Beruf und das alltägliche Leben hilfreich sind.

    Letztendlich haben wir uns immer wohlgefühlt und hatten viel Spaß.

    Welche Tipps habt ihr für junge Nachwuchsdesigner?

    Cedric: Allen Nachwuchsdesignern können wir raten, das Studium zu genießen. Man kann so vieles lernen und mitnehmen für das spätere Leben. Man sollte die Freiheit im Design nutzen, auch mal andere Wege zu gehen, dabei aber stets an sich glauben und sich selbst treu zu bleiben. Das fördert seinen eigenen individuellen Designstil zu finden.

    Gabi: Ein wichtiger Tipp von mir wäre auch, sich selbst niemals zu begrenzen. Ich kriege die Krise, wenn ich höre, dass wir “nur Studenten sind”. Man sollte immer versuchen, einen Schritt voraus zu gehen. Ich habe sehr oft während des Studiums von anderen Personen gehört, die zu mir sagten “Gabi das ist zu teuer”, “Gabi, das ist zu viel zu viel Arbeit”, die mich häufig wie ein Schlag waren. Wenn man den Willen hat und mit Leidenschaft arbeitet, dann spielen die anderen Sachen keine Rolle. Man findet am Ende seinen eigenen Weg. Mein Lieblingsspruch: “Go Big or Go Home”

    Welche Talente und Fähigkeiten sollte man besitzen, wenn man als Designer arbeiten möchte?

    Gabi: An oberster Stelle für uns steht natürlich die Kreativität. Man muss Ideen haben, ein gutes Gespür für Trends, Formen, Farben und natürlich auch für Materialien, die man gekonnt miteinander kombinieren sollte. Man muss eine Leidenschaft dafür entwickeln, man muss Spaß an der Sache haben, Menschen mit Mode Freunde zu bereiten.

    Cedric: Man sollte Mut zur Selbstdarstellung haben. Das setzt wiederum ein gesundes Selbstvertrauen voraus. Eine starke Persönlichkeit kann dadurch auch besser mit Niederlagen und Rückschlägen umgehen, wenn es im Designprozess mal nicht so gut läuft. Letztendlich am wichtigsten ist für uns immer noch die Freude am Experimentieren, um am Ende etwas neues zu schaffen.

    Credits:

    Design: Gabriela Sanchez (@aigabi30) & Cedric Grünewaldt (@cedric.gruenewaldt)
    Film& Photography: Mariana Saenz  @marianasaennz
    Models: Ian Etchemendy @ianetchemendy & Rafael Molina @raficiaga
    Postproduction: Robert Marciniak @robi.marciniak
    Sound&Music: Alan Etchemendy

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